Heute, liebe Freunde, bin ich mal wieder mit der Bahn von Österreich nach Sachsen unterwegs...mehr brauchst net, im wahrsten Sinne des Wortes.
Das Bayern-Ticket ist ja im Grunde genommen etwas Feines, so spare ich Geld, so dachte ich.
43,50 kostet mich die Fahrt in eine Richtung bis zum Elternwohnsitz meiner Lebensgefährtin. Mit dem Ford oder GMC kann es - je nach Benzinpreis - schon mal 100 bis 120 Euro ausmachen.
Also, man(n) berappt das Ticket, packt sich genügend Material zwecks Zeitvertreibs (Fachliteratur, Drehbuch) ein und freut sich auf eine entspannte Fahrt.
Bis München ging alles glatt. Flottes Umsteigen in den Regionalexpress (nur diesen darf man mit dem Bayern-Ticket benutzen) und geduldig auf die Abfahrt warten.
Doch nix passiert. Knarzende, kaum verständliche Durchsagen schallen durch den heißen, überbelegten Zug. Sie verkünden 60 Minuten Abfahrtsverspätung, dann nochmals 60 Minuten und schließlich Entfall des Zuges wegen Signalstörung auf dem niederrangigen Schienennetz rund um München herum.
In- und außerhalb des Zuges krampfartige Wutanfälle, plärrende Kleinkinder, Unverständnis, Fassungslosigkeit.
Das Bahnpersonal, kaum der deutschen Sprache mächtig, versucht tapfer das Beste zu geben.
Massen auf dem Bahnsteigen. Man darf sich gar nicht vorstellen wie es wäre, wenn ein wichtiger Geschäftstermin auf der Tagesordnung stehen würde.
Toll ist nämlich, dass die Überkopfhinweistafeln Züge auflisten, die aktuell längst ausgefallen sind. So steigen noch immer Leute ein, zum Teil auch in die falschen Züge.
Wie also von München wegkommen? Mmmm...
Wollte nach 3 Stunden verplemperter Zeit und in Ermangelung eines Zeitpunktes, wann nun denn die verdammte Störung endlich behoben sein würde, eigentlich stante pede wieder mit dem nächsten Zug retour. Doch halt.
Zur moralischen Stärkung - und auch weil mir nichts Besseres einfiel - ins Untergeschoß zum Mäci...und da wird schon eine Kleinigkeit gegessen...2 Big Mac hier, 2 Hamburger Royal mit Käse da...der Reiseproviant im Ausmaß von 2 Sandwiches hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon längst verabschiedet.
Erstmal Nahrung zu sich nehmen, das haut immer hin.
Derartig frisch gestärkt wieder auf dem Bahnsteig zurück kaufte ich mir sogleich ein Ticket für den ICE nach Nürnberg in letzter Minute, dieser hatte - wen wundert' s - 10 min Verspätung, sonst wäre es sich eh nicht ausgegangen, mit einem Aufpreis von 59,70, wohlgemerkt.
Damit bin ich mit meiner fröhlichen Zugfahrt auch in der Höhe vom Ford/GMC Benzinbudget, jedoch mit dem Unterschied, diesmal insgesamt rund 10 Stunden statt der üblichen 4,5 bis 3,5 Stunden unterwegs gewesen zu sein. Ohne Familie zum Glück, denn sonst wäre es noch teurer gekommen.
Außerdem ist die AC vom ICE - aus Kostengründen laut Schaffner - zu schwach eingestellt. Schwitz!
Liebe Leute, wir sollen alle auf die Schiene umsteigen - unter diesen Bedingungen bleibe ich weiterhin bei meinen bestens klimatisierten, fußfreien und schnellen U.S. Cars, die Stauproblematik habe ich dank antizyklischer Reisegewohnheiten im Griff.
Dies soll kein Rundumschlag gegen die deutsche Bahn sein, die Pünktlichkeit der ÖBB hat sich nach Corona ebenfalls enorm verschlechtert.
Traurig eigentlich, denn bisher war ich mit dem Bayern-Ticket immer sehr zufrieden.
Wie heißt es gleich in einem Beitrag vom "MAD Magazine" aus den 1980ern?
"Harry W. hat starke Flugangst. Fliegt aber wieder - nach einer Fahrt mit der Bahn."
