Deutsche Autoindustrie im Hintertreffen
Die deutsche Autoindustrie verdient derzeit so wenig wie schon lange nicht mehr. Zusammen hätten die Unternehmen im dritten Quartal mit 1,7 Milliarden Euro den geringsten Betriebsgewinn seit dem Vergleichsquartal 2009 erwirtschaftet, teilte die Beratungsgesellschaft EY am Montag mit. Im internationalen Vergleich spielen die deutschen Hersteller eine kleiner werdende Rolle, China ist weiter auf dem Vormarsch. Am Dienstag soll die EU-Kommission ihre überarbeiteten CO2-Vorgaben für die Autoindustrie vorlegen, Fachleute sehen die geplante Aufweichung vorwiegend kritisch.
Gemeinsam betrachtet blieben Absatz und Umsatz der drei großen deutschen Autohersteller Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz zwar weitgehend stabil,
der operative Gewinn brach aber um knapp 76 Prozent ein. Kein anderes großes Autoland schnitt den Angaben nach bei der Entwicklung von Umsatz und Gewinn so schwach ab wie Deutschland. Die Branche steckt aber generell in einer Profitabilitätskrise, insgesamt ging der EY-Analyse zufolge der Gewinn bei den größten Autokonzernen weltweit um 37 Prozent zurück.
EY wertete Umsatz und Gewinn von 19 Autokonzernen aus: In China waren das BYD, Geely und Great Wall Motor, in den USA Ford, General Motors und Tesla, in Japan sechs Hersteller, in Europa auch Stellantis und Renault. Dazu kamen Hyundai und Kia aus Südkorea. Die meisten Hersteller erwirtschafteten den Berechnungen zufolge eine geringere Marge als im Vorjahr.
Suzuki am profitabelsten
Die Durchschnittsmarge, die den operativen Gewinn ins Verhältnis zum Umsatz setzt, der 19 Unternehmen lag laut EY bei 3,9 Prozent und damit auf dem niedrigsten Stand seit mindestens zehn Jahren. „Seit 2023 hat sich die Marge der Topautokonzerne mehr als halbiert“, schrieb EY. Der profitabelste Hersteller im dritten Quartal war das japanische Unternehmen Suzuki. Die Marge lag bei 9,2 Prozent. Danach folgten BMW und Toyota.
EY-Autoexperte Constantin Gall teilte mit: „Die weltweite Autoindustrie steckt in einer tiefen Krise, allerdings sind es zurzeit die deutschen Autokonzerne, die besonders stark leiden.“
Ursächlich dafür seien die allgemeine Schwäche des Premiumsegments, die US-Zollpolitik, negative Wechselkurseffekte, hohe Investitionen in Elektroautos, die sich bisher nicht gerechnet hätten, und hohe Ausgaben für den Umbau der Unternehmen. „All das sorgt aktuell für einen perfekten Sturm, gerade für die deutschen Autohersteller.“
Die schwindende Marktmacht der deutschen Hersteller zeigt auch ein Zehnjahresvergleich: Verglichen mit dem Sommerquartal 2016 hätten die deutschen Hersteller ihre Erlöse um 27 Prozent gesteigert. Autofirmen aus den USA und Japan hätten zugleich aber ein Umsatzplus um rund zwei Drittel geschafft, die drei größten chinesischen Hersteller BYD, Geely und Great Wall Motor hätten ihre Erlöse sogar mehr als verfünffacht.
„Einige chinesische Konzerne haben sich inzwischen als sehr ernstzunehmende Global Player etabliert“, sagte Gall.
China mit neuer Dominanz
Zugleich gingen die Verkäufe der Hersteller aus Deutschland in China im dritten Quartal um neun Prozent zurück. Der China-Anteil am weltweiten Absatz sank auf 29 Prozent. 2020 waren es noch 39 Prozent. Der Markt sei extrem wettbewerbsintensiv, sagte Gall. Wegen der schwachen Konjunktur verkauften sich Premiumautos in den Vorjahren schlechter. Vor allem aber wachse der Absatz von E-Autos stark. „Und hier ziehen die Chinesen einheimische Marken den etablierten westlichen Konzernen eindeutig vor.“ Westliche Hersteller versuchten zwar gegenzusteuern, ein Ende des Abwärtstrends sei aber nicht abzusehen.
Das sieht auch Ferdinand Dudenhöffer, Direktor des privaten Centers Automotive Research (CAR) im deutschen Bochum, so. Die deutsche Autoproduktion werde seiner Einschätzung nach auch im kommenden Jahr schrumpfen.
Die Zahl der Beschäftigten in den deutschen Autofabriken könnte von derzeit rund 720.000 Menschen auf deutlich weniger als 700.000 zurückgehen. Für 2027 gehe er von 650.000 Beschäftigten aus.
Der weltweit größte Einzelmarkt China habe in diesem Jahr mit 24,3 Millionen Pkw-Verkäufen seine Bedeutung weiter ausgebaut. In dem Land wurden 2025 rund 30 Millionen Autos gebaut, was einen Anteil von 36,6 Prozent an der globalen Produktion bedeutet. Auf Europa entfallen gerade einmal 15 Prozent. Die Zukunft der deutschen Autohersteller sei eng mit dem chinesischen Markt verbunden, sagte Dudenhöffer. Sie müssten nach dem Vorbild des VW-Konzerns „in China für China“ Elektroautos entwickeln und bauen.
Fachleute: Verbrenner-Aus läuft ins Leere
In diesem Zusammenhang kritisiert Dudenhöffer das Aufweichen des eigentlich für 2035 geplanten Endes für neue Fahrzeuge mit Verbrennermotor. Man könne sich nicht von der Entwicklung abkoppeln, sondern müsse sich dem Wettbewerb auf dem harten chinesischen Markt stellen.
„Wer nicht in China ist, ist nicht im Autogeschäft.“ Auch andere Fachleute gehen nicht davon aus, dass Änderungen der Vorgaben für die Autoindustrie mehr als eine kurzfristige Lösung seien.
So sagte etwa Anita Wölfl, die am Münchner Ifo-Institut am Zentrum für Innovationsökonomik und Digitale Transformation forscht, gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ („SZ“): „
Die CO2-Emissionsgrenzen jetzt aufzuweichen, indem man das Verbrenner-Aus zurücknimmt oder verschiebt, würde die Situation der deutschen Autohersteller nicht verbessern. Ganz im Gegenteil: Es führt zu einem Glaubwürdigkeitsverlust und zu Unsicherheit bei den Käufern.“
Eigentlich sollten in der EU von 2035 an keine Neuwagen mehr zugelassen werden, die noch CO2 ausstoßen. Diese Regelung dürfte die EU-Kommission am Dienstag kippen – wie die Neubestimmungen lauten sollen, ist noch unklar.
Quelle:
https://orf.at/stories/3414464/
Ja, die "Premiumautos". Deren Qualität und Zuverlässigkeit hat gewaltig nachgelassen und so locker sitzt das Geld in diesem Segment in Zeiten wie diesen auch dort nicht mehr. Somit wird die Pleitewelle bei uns noch lange weitergehen.
Sicher ist: Ein Fahrzeug "Made in China" kommt uns niemals ins Haus.