Ich unterbreche an dieser Stelle meine History Lesson bezüglich RVs aus gegebenen Anlass. Das GMC Motorhome wird - obwohl nur 6 Jahre gebaut - zur Zeit in den U.S. gerade "wiederentdeckt", so wie auch allmählich den Baujahren der 1970er Jahre allgemein mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Aus diesem Grunde halte ich es für angebracht, ein paar Zeilen zwecks vertiefender Informationsgewinnung über das GMC Motorhome zu schreiben. Da ich momentan für 3 Foren gleichzeitig zum Thema U.S. Motorhomes Texte verfasse und auch sonst meine zeitlichen Möglichkeiten leider etwas eingeengt sind, bitte ich um Verständnis, wenn die diversen Thematiken nur nach und nach von mir abgearbeitet werden.
Durch die enge Verwandtschaft mit meinem Revcon und generell als GMC Safari Fan liegt es quasi auf der Hand, auch dem gleichwohl faszinierenden GMC Motorhome ein wenig Rampenlicht zu gönnen. Es würde mich sehr freuen, wenn ich einmal eine Besitzerin oder einen Besitzer von einem GMC Motorhome auf einem (hoffentlich endlich bald wieder stattfindenden) U.S. Car Treffen begrüßen könnte. Ich stand im Jahre 2007 mit meinem Police Interceptor ziemlich alleine da, doch dies hat sich mittlerweile - auch mit meiner tatkräftigen Unterstützung - geändert.

Vielleicht sind diese Texte für irgendjemanden der Impuls, sich auch so ein familientaugliches, faszinierendes Stück automobiler Vergangenheit zuzulegen...
Doch nun zum eigentlichen Thema, hier für Euch aus dem Amerikanischen:
Das GMC Motorhome ist eine sechsrädige Verkörperung des Zeitgeistes seiner Epoche. Für all jene, welche nicht in der Zeit von 1950 bis 1980 lebten, ist das damalige hohe Niveau der kreativen Freiheit nur schwer zu erfassen.
Die jüngeren Generationen mögen wohl bemerkt haben, dass die Musik aus diesen Jahren ziemlich gut war und dass ein paar großartige U.S. Cars auf den Markt kamen. Weiters blieben berühmte Rennstars in Erinnerung, die damals quasi als moderne Gladiatoren auf den diversen Rennstrecken ihre Kräfte maßen.
Aber abgesehen von den Bildern, Zeitungsartikeln und Filmausschnitten bleibt den jüngeren Generationen, welche diese Zeiten nicht wirklich aktiv miterlebt haben, die durch die Weltallmissionen samt Mondlandung verbreitete Denkeinstellung “Alles ist möglich!“ weitgehend verschlossen.
Es war genau in jener Zeit der kreativen Freiheit, als General Motors realisierte, dass die Menschen, welche als Soldaten die Kriegsjahre überlebten, in denen sie für Freiheit und gegen Unterdrückung kämpften, auf der Suche nach Automobilen waren, die genau diese neu gefundene Freiheit verkörperten.
Die Chevrolet Corvette war, genauso wie der Ford Thunderbird oder der Ford Mustang, ein Ergebnis dieser Erkenntnis. Aber Sportwagenkäufer stellten nicht die Einzigen dar, welche einfach ab und davon in die Freiheit rauschen wollten. Es gab auch jene Personen, die einfach nur einen gemütlichen Komfort in ihrem mobilen “Zuhause weg von Zuhause“ haben wollten, um auf diese Art und Weise zusammen mit ihren Familien neue Plätze und neue Dinge zu entdecken.
Das waren Leute, die typischerweise die “Große Depression“ erlebt und im 2. Weltkrieg gekämpft hatten: Sie alle träumten von einer neuen Welt der Freiheit und nun, in der Nachkriegszeit, wollten sie ihre Träume Realität werden lassen. Die Ära der RVs (Recreational Vehicles) stand an ihrem Beginn und General Motors war gerade dabei, eines der besten Motorhomes aller Zeiten zu erschaffen.
DAS GMC MOTORHOME DESIGN KONZEPT WIRD ENTWICKELT
General Motors hatte damals einige visionäre Leute in der Produktentwicklung mit an Bord, welche auch für die Realisierung der Corvette verantwortlich waren. Diese erkannten schnell, dass die Menschen in den U.S. ihre neue Reisefreiheit ausleben wollten und auch genug Geld dafür zur Verfügung hatten.
Einige wollten Camping in seiner puren Form, andere bevorzugten mehr Komfort und somit entstand eine ganze Industrie, stets gewillt den zahlungsfreudigen Kunden mit Wohnwägen oder Motorhomes für dessen Abenteuerreisen zu versorgen.
In den 1970ern wurde das sehr populär, da sich die Kriegsgeneration des 2. WKs allmählich in die Pension verabschiedete und diese auch ausgiebig genießen wollte.
Die Planer bei General Motors realisierten, dass die Motorhomes aus jener Zeit einfach auf einem gewöhnlichen Lastwagenchassis aufgebaut waren, samt einer Kabine auf der Ladefläche, welche sich nicht viel von der herkömmlichen Wohnwagenbauweise unterschied.
Wenn man einen Alu-Camper mit Holzrahmen auf ein Truckfahrgestell schraubt, erhält man ein Campingfahrzeug mit dem Komfort einer Lastwagenfederung und so fährt es sich dann naturgemäß auch.
Der Gedanke bei General Motors war jedoch ein Fahrzeug zu entwickeln, welches den Komfort und das Styling eines PKWs mit den Annähmlichkeiten eines fahrenden Haushalts kombinierte. Es ging hierbei nicht um einen Camper auf einem LKW-Chassis, sondern um ein echtes Motorhome.
Das Projekt wurde vom GM Vizepräsidenten Martin J. Caserio persönlich geleitet, er war gleichzeitig auch der Manager von der GMC Truck and Coach Division. Seine Vision war ein “Chevrolet der Motorhomes“, dies bedeutete, er wollte ein leistbares RV, welches in großen Stückzahlen an den Mann gebracht werden konnte.
https://www.youtube.com/watch?v=NWdCtwJm6nA&t=7s
Dieser Idee wurden einige Änderungen zuteil, als Alex C. Mair 1973 das Ruder übernahm. Er sah womöglich das Vorreiterpotential und nahm an, dass das Motorhome ein strahlender Stern im GMC Universum werden könnte - ähnlich wie die Corvette für Chevrolet. Alex C. Mair wollte einen “Cadillac“ der Motorhomes, dieser Hoffnung wollte man mit Hilfe des endgültigen Designs Ausdruck verleihen, welches hoffentlich den für die Marke GMC gewünschten Halo-Effekt schlussendlich auslösen würde.
Die Arbeiten begannen in den Jahren 1969 bis 1970, es ging hierbei in erster Linie darum zu klären, was wohl das beste Design für ein Motorhome sein würde. Die Designer sollten sich mit den verschiedenen Funktionen des neuen Fahrzeugs auseinandersetzen, immer mit Blick auf eine bewusst niedrig gewählte Konstruktionsweise und einem Federungssystem, welches einen PKW Fahrkomfort garantieren musste.
Um diese Ziele erreichen zu können, würde ein vorne eingebauter Motor in Kombination mit einem Hinterradantrieb - so wie in einem herkömmlichen Lastwagen - sicher nicht in Frage kommen. Stattdessen musste der Motor entweder im Heck mit Hinterradantrieb oder eben vorne mit angetriebenen Vorderrädern untergebracht werden.
Ein Heckantrieb würde technische Probleme in Verbindung mit der Verlegung der Steuerungsmechanismen von der Front nach hinten zum Motor bedeuten, von den dabei entstehenden Mehrkosten ganz zu schweigen. General Motors hatte aber bereits ein Unified Powerplant Package (UPP) fix und fertig zur Verfügung, welches den Motor, den Vorderradantrieb samt Getriebe und ein Torsion Bar Dämpfungssystem beinhaltete. All das wurde bereits im Oldsmobile Toronado verwendet und würde auch perfekt in einem Motorhome funktionieren.
Dieses System entpuppte sich schließlich als der am besten geeignete und kostengünstigste Antrieb für die Verwendung in einem zukunftsweisenden RV von GM. Der Motor war ein 455er (7,4 Liter) V8, kombiniert mit einer dreigängigen Hydramatic (425er) Automatik und einem schweren Kettenantrieb. Der UPP Antriebsstrang hatte sich bereits vorher - der geneigte Leser weiß Bescheid - in anderen Motorhomes wie z. B. im Revcon, Cortez (s. Seite 7), Travoy (s. Seite 9), und im Tiara (s. Seite 8 ) bewährt und war somit bestens erprobt.
Dämpfungssystem vorne:
